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| 01.02. 2007 · Bad Alchemy Magazin (DE) | |
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LEO RECORDS (Kingskerswell, Newton Abbot)
Immer mehr Leute scheinen davon überzeugt zu sein, dass Das kenn ich nicht
ein Argument wäre und als Grund ausreicht, sich weiterhin alles von ?Experten?
vorschreiben zu lassen, die sich mit ihren Konditionierungen längst arrangiert
haben. Manches scheidet sich dann ganz von selbst und so sind INTROs Top 50
2006 erstmals absolut BA-frei. Nur Minority Reports verzeichnen immerhin
noch die Namen Scott Walker, Carla Bozulich und Nadja. Allerdings ist Mitleid
oder Selbstmitleid bei den Musics in the Margin seit je ebenso fehl am Platz wie
der Dünkel des vermeintlich ?Besseren?. Was nicht heißt, dass ich nicht meine
Aversionen pflege gegen Statistiken, sprich Schmeißfliegeneffekte, und Moden,
vulgo Hype, in einer so persönlichen Sache wie Musik.
Aber zur Sache selbst. Luff (LR 474) ist die zweite Leo-Scheibe des ?String?-
Quartetts METAMORPHOSIS. Der Vorgänger geistert als Musicland-Ladenhüter
seit Jahren zwischen dem Indie- und Avantfach hin und her. Dabei haben
Martin Alaçam, der 1974 in Istanbul geborene Poet, Sänger & Akustikgitarrist
der Formation, seine österreichischen Partner, der Geiger Christoph Pajer
und Richard Deutsch an E-Gitarre & Kalimba, sowie der tschechische Cellist
Jan Kavan mit ihrer ?verseuchten Kammermusik? sich aus Klassik-Rock, dynamisierter
Stummfilmmusik und auf U getrimmtem Shostakovich & Ligeti etwas
ganz Eigenes ausgedacht. Der finnische Cello-Metal von Apocalyptica verblasst
als plumper Bombast neben der ideenreichen Chamber Prog-Hybridität
dieser Vier, die Fäden von 70s Art Rock so weiter spinnen, dass die Sleepytime
Gorilla Museum-Anklänge bei ?Expedition? nicht zufällig wirken. Daneben gibt
Alaçam mit seinem samtig-lakonischen Timbre, mit dem er seine türkischen Lyrics
ganz ?untürkisch? intoniert, dem Gesang eine fast perfide Doppelbödigkeit.
Nie käme man auf den Gedanken, dass er mit seinem zarten ?Sayonara? eine
Herzensbrecherin zur Hölle wünscht - ?Sayonara darling, I?ll see you in hell if
there is one.? Bei seiner ?Expedition? zum Nordpol halluziniert er ?a huge walrus
in the sky?, das sich lächelnd niederbeugt und die erfrorenen Finger und toten
Schlittenhunde vergessen lässt. Auch der schwingende, repetitive oder in
Prog-Manier zickzackende Duktus der Musik betört die Sinne so, dass man die
Klippen unter der Wasseroberfläche übersieht. ?Now the sirens play a serenade
just for me.? Mit einer Geige, die sich wie eine Seidenschnur um den Hals
schlingt. ?Cinematics for Lun Atics? bringt dieses Hirnkino und seinen schwarzen
Humor, dem ich mich nicht scheue, etwas ?Tschechisches? zu unterstellen,
wunderbar auf den Begriff. |
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